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Das Klima in Portugal ist sommerlich, doch man spürt den nahenden Herbst, vor allem in ländlichen Gegenden, wo der Alltag von der Natur bestimmt wird. Im September beginnt der Weidewechsel der Schafherden. „Schafe ziehen sich aus, um ihren Herrn anzuziehen“, lautet eine portugiesische Spruchweisheit und mancherorts wird die Erinnerung und die selten gewordene Gegenwart der Schäfer, deren Beruf vom Aussterben bedroht ist, und der Herden im Jahreszyklus der ‘Transumância’, der Wander-Schäfer und ihrer Weidetiere, zelebriert.

 

In Portugal ist der Begriff aus dem Wortschatz ebenso verschwunden, wie die Entsprechung „Transhumanz“ aus dem Deutschen. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts war sie charakteristisch für den Mittelmeerraum und bei der Wahl der „7 Wunder der Volkskultur“ (https://7maravilhas.pt/) im vergangenen Jahr stand diese landwirtschaftliche Kultur, wie sie in dem 1.000 Einwohner zählenden Ort Alpedrinha nahe Fundão in Zentralportugal seit Menschengedenken zum Leben gehört, ganz oben auf der Kandidatenliste. Gewonnen haben dann allerdings buntere, lautere, farbigere Elemente der portugiesischen Folklore.

 

Schafzucht wurde auf der Iberischen Halbinsel schon in der Jungsteinzeit betrieben. Hirten lebten das unstete Leben von Nomaden vermutlich seit der Römerzeit, wie Funde auf alten Weidewegen nahelegen. Ihr Weg beim Wechsel der Weideplätze durch offenes, allgemein zugängliches Land bot stets Anlass zu Konflikten mit sesshaften Ackerbauern. Damals wie heute war das Schäferwesen „ein Beruf mit hoher Flexibilität und dem Charakter des Prekariats“, heißt es in Alpedrinha. Die Beschreibung klingt sehr nach Ökonomie-Lehrbuch, aber es sei „notwendig, die Dinge mit modernem Wortschatz zu erklären, damit die Menschen es begreifen.“

 

In den ersten acht Jahrhunderten unserer Zeitrechnung, unter Besiedelung durch die Römer und die Westgoten gab es strenge Gesetze zum Schutz der Schäfer, ihrer Herden und Weideplätze. Annalen aus dem Mittelalter bezeugen eine bedeutende Ausdehnung der Schafzucht. Ihr Goldenes Zeitalter kam dann mit der Industriellen Revolution: Die neuen dampfkraft-betriebenen Webstühle ließen die Nachfrage nach Wolle explodieren.

 

Portugal war eines der europäischen Länder, in dem sich das Schäferwesen am längsten behaupten konnte, allerdings mit enormen regionalen Unterschieden. Interessierter Nachwuchs ist seit Langem kaum noch in Sicht, denn der Tiertransport über mehrere hundert Kilometer per Eisenbahn ist schneller und weniger strapaziös als der lange Weg zu Fuß von Weide zu Weide. Auch Agrar- und Umweltpolitik kollidieren teilweise mit den Traditionen der Hirten.

Der Rat der Stadt Fundão will das Brauchtum bewahren, selbst wenn der Beruf womöglich kaum zu retten sein wird. Und so erinnern in dieser Jahreszeit die traditionellen Gemeinden an die Schäfer-Zunft und das Wanderleben. Orte wie Alpedrinha begleiten den herbstlichen Alm-Abtrieb mit Musik und regionalen Speisen.

Der jahreszeitliche Wechsel der Weidegebiete hat die Menschen stets zusammengeführt. Symbolisch dafür steht in vielen Gemeinden ein morgendlicher Spaziergang am dritten September-Wochenende: Die Anwohner (aber auch interessierte Besucher) begleiten die Schäfer und ihre geschmückten und mit Glocken (‘chocalhos’) behängten Herden auf dem Weg von der Sommerweide. In Alpedrinha führt diese Wanderung an einem alten römischen Reiseweg zwischen Fundão und Alpedrinha entlang.

Das ist traditionell der große Tag für die Trommlergruppe ‘Zabumbas de Alpedrinha’. Beim Transumância-Festival 2001 schlossen sich ein paar Anwohner aus Spaß dem Zug an. So entstand eine neue Folkloregruppe (https://www.tocarufar.com/pt), die längst auch auf vielen Musik-Festivals im ganzen Land mit ungewöhnlichen und mitreißenden Trommelkonzerten begeistert (https://www.tocarufar.com/.../Grupo-de-bombos-As-Zabumbas...) und darüber hinaus musikalische Erziehung bei Kindern und Jugendlichen und Teambuilding bei Erwachsenen fördert.

Die Technische Hochschule in Viseu arbeitet seit einigen Jahren gemeinsam mit Kulturvereinen an einer Langzeitstudie über „die letzten Wege der Wanderschäfer“. Auch andere Gebirgszüge erhalten das Gedenken an die Schäfer und ihre Wanderschaft: In der Gebrirgsregion Serra da Estrela zeichnet das 1982 eingerichtete ‘Museu de Lanifícios’ in Covilhã (https://www.centerofportugal.com/.../museu-de-lanificios/ ) gemeinsam mit spanischen Historikern und Völkerkundlern die Woll-Straße „Rota da Lã – Translana“ nach: Es gibt mindestens hundert Orte beiderseits der Grenze, wo das alte Gewerbe anhand von Weide- und Schurplätzen, Tränken und Textilfabriken touristisch und museal präsentiert werden könnte – und zum Teil auch wieder wird.

Das Museum selbst befindet sich an einer historischen Stätte, in der uralten Textilfabrik ‘Real Casa de Panos’, die im 18. Jahrhundert im Auftrag des Marquês de Pombal errichtet wurde – ein Markstein in der Geschichte der portugiesischen Textil-Industrie.

Diese Facebook-Seite wird in den kommenden Tagen genauere Daten und Programm-Inhalte veröffentlichen: https://www.facebook.com/ChocalhosAlpedrinha/; weitere Info gibt es auch hier: https://www.facebook.com/fundao.turismo/

 

Text und Bild: Henrietta Bilawer / Facebook