Unser PHG Mitglied, Bernd Dieter Schlange, hat einen neuen Kriminalroman herausgegeben, der sich möglicherweise für den diesjährigen weihnachtlichen Gabentisch eignet. 

Zum Inhalt:

Am Anfang steht ein sogenannter Abbiegeunfall, aber es ist klar, dass der Lkw-Fahrer den E-Scooter-Fahrer aufs Korn genommen hat. Danach beginnt die eigentliche Handlung.

Nottebrook war Kriminalbeamter und möchte nun seinen Ruhestand in seiner Wohnung am Bramfelder See genießen. Aber dann lockt ihn ein Auftrag des Rechnungshofs. Er soll zwei Verkehrsprojekte in Portugal recherchieren, zu denen zwei Hamburger Büros größere Gutachten machten. Erst zögert Nottebrook, aber dann lockt ihn die Aussicht auf dienstliche Reisen nach Lissabon und das Wiedersehen mit seinem Freund João Rodrigues.

In Portugal befasst sich Nottebrook mit einem neuen Stadtbahnsystem, der Metro Sul do Tejo in Almada, einem südlichen Vorort von Lissabon und mit einer Art Cable-Car namens SATU in Oeiras, einem westlichen Vorort von Lissabon. Beide Projekte entstammen der Wirklichkeit, die SATU wurde nach einigen Jahren eingestellt. Bürgermeister von Oeiras war und ist wieder Isaltino Morais, der zwischenzeitlich wegen Korruption verurteilt im Gefängnis saß – und seinen erfolgreichen Wahlkampf dann aus der Haft heraus begann (nein, den habe ich mir nicht ausgedacht).

Erfunden sind hingegen die Ingenieure David und Goliath, die zahlreiche Gutachten zu den Projekten in Portugal und auch zu Verkehrsprojekten in Hamburg erstellten, die Gegenstand der Recherche werden. David arbeitete früher bei dem Hamburger Büro Göpfert und Reimer – das nun wiederum ist keineswegs erfunden, ebensowenig, dass dieses Büro auch an Hamburger Verkehrsprojekten arbeitete, vor allem aber die Bestechungsgelder im Trienekensskandal (Kölner Müllverbrennungsanlagen) verteilte. Deshalb wurde auch Hans Reimer wegen Korruption zu einer Haftstrafe verurteilt.

Und dann merkt Nottebrook, dass der Rechungshof ihn auch deshalb ausgesucht hat, weil er in Steilshoop lebt – wo gerade eine U-Bahn gebaut werden soll.

Bei der Informationsbeschaffung wird Nottebrook von Nicole da Silva unterstützt, einer Hamburger Ingenieurin mit portugiesischen Wurzeln, die nebenbei beweist, dass auch das Liebesleben mit einem einzigen Partner recht abwechslungsreich sein kann. Und er spricht mit einem Philosophen, der sich auf die Beratung von Unternehmen konzentriert hat – weil die Sicht von Außen manchmal Geschäftsideen gebiert, die in der Routine eher untergehen würden. So erfährt Nottebrook eine Menge darüber, wie man politisch und in der öffentlichen Meinungsbildung Einfluss nehmen kann, ohne gleich Bestechungsgelder zu zahlen. Und auch darüber, wie man dabei hehre Ziele als Vorwand für schnöde Geschäftsinteressen benutzen kann, oder wie man sich Projekte der öffentlichen Hand schönrechnet, wenn man sie unbedingt will.

Bernd Dieter Schlange, Nottebrook fährt Straßenbahn. Broschur, 252 Seiten, zahlreiche Abbildungen, 9,00 €, ISBN 978-3-7543-9850-0, Verlag BoD